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Karl-Heinz Klopf und sein Einmal Vierzig, Juni 2020

Karl-Heinz Klopf im Interview – anlässlich der ersten Putzaktion von Einmal Vierzig am 26.6.2020

Verein Mundwerk: Wie hast du vor 15 Jahren das Projekt Mondsee Land Art empfunden?

Karl-Heinz Klopf: Für mich war die Aufgabenstellung, eine Arbeit im öffentlichen Raum zu machen, die das Verhältnis zwischen Natur und menschlichem Eingriff thematisiert. Ich wollte eine Zäsur in der Landschaft installieren. Für den Wettbewerb habe ich damals für die Einreichung neben dem Konzept auf Papier auch eine Fotocollage gemacht. Es ist immer eine große Freude, ein konzeptionelles Werk anschließend realisiert zu sehen – gerade als dieser Marmorstreifen von 1 × 40 Metern noch jungfräulich weiß und frisch war. 

Heute spürt man, dass die Arbeit bereits sechszehn Jahre am Buckel hat. Wenn man sie unberührt lässt, verbindet sie sich wieder mit der Natur. Die Natur bemächtigt sich ihrer – was auch schön ist, weil alles irgendwann wieder wie Natur sein wird. Es widerspricht jedoch meinem ursprünglichen Konzept.

Verein Mundwerk: Deshalb putzen wir heute Einmal Vierzig. Wir wollen den weißen Stein wieder hervorheben um damit den Kontrast zu verstärken. Bei Land Art gibt es verschiedene Konzepte zur Frage der Konservierung. Das heißt, es gibt manchmal die Diskussion, bestehende Objekte wieder der Natur zu übergeben – also verwittern, zerbröseln oder vermodern zu lassen, usw. Wie ist dein Bezug zur Vergänglichkeit von Land Art? 

Karl-Heinz Klopf: Die ursprüngliche Intention war, dass die Zäsur zwischen Landschaft bzw. Kulturlandschaft und menschlicher Intervention klar herausgestrichen wird. Das Ergebnis ist eine deutliche Linie als Kontrast zwischen gebautem und ungebauten Elementen. Es liegt mir schon am Herzen, wenn dieser Unterschied, den ich hier herausgearbeitet habe, noch etwas länger sichtbar bleibt. Wenn die Arbeit jetzt wieder so instandgesetzt wird, wie es ursprünglich geplant war, freut mich das sehr. Irgendwann wird man sich nicht mehr darum kümmern und der menschliche Eingriff wird wieder Teil der Natur. Mir gefällt auch dieser Gedanke. Dabei reden wir vielleicht von Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten. Es ist toll, dass Mundwerk mit dieser Aktion einen Neustart unternimmt.

Verein Mundwerk: Auch in deinen anderen Werken – sowohl bildnerisch, als auch im öffentlichen Raum arbeitest du mit starken Kontrasten und klaren Linien gegenüber dem räumlichen Umfeld. Welche Faktoren beeinflusst du, damit trotzdem ein Zusammenhang zwischen Kunstwerk und Umfeld entsteht?

Karl-Heinz Klopf: Der Ort ist mir sehr wichtig. Wenn ich so eine Intervention plane, schaue ich mir den Ort sehr genau an. Ausgangspunkt war der Bach. Der Kandlbach wirkt relativ naturbelassen mit dem Bewuchs, dem Schilf und dem Gras. Er ist auch nicht extrem begradigt und hat noch Windungen in sich. Meine Idee war, im Kontrast zu diesem Bach einen Eingriff zu erzeugen, der parallel zum Bach als eine von Menschen gemachte Linie erscheint. Auch wenn sie quasi lapidar in diesem Ambiente liegt und fast unmotiviert erscheint, handelt es sich dabei doch um ein sehr durchdachtes Projekt. Ich wollte auch eine Ambivalenz erzeugen zwischen dem offiziellen Weg der Parkanlage an der Seepromenade und einem Weg, der gleichsam ins Nichts führt bzw. zu einer Böschung in Richtung Bundesstraße und dadurch in der Wahrnehmung eine Unsicherheit oder Frage darüber hervorruft, was denn dieses Objekt eigentlich sein soll.

Verein Mundwerk: An welchen Projekten arbeitest du zurzeit?

Karl-Heinz Klopf: An mehreren Projekten. Am meisten beschäftigt mich im Moment ein Film über einen Tisch des austro-amerikanischen Architekten Friedrich Kiesler. Diesen Tisch hat er 1935 für die amerikanische Textildesignerin Marguerita Mergentime als Teil einer ganzen Inneneinrichtung entworfen. Es gibt nur einen Prototypen davon, aber ich habe eine Kopie dieses Tisches erworben und diese Kopie gehört zu meinem Wohnambiente. Die Idee zu diesem Film war, einmal nirgendwo hin zu reisen um dort einen Film zu machen – wie etwa bei meinem Film Tower House (2013) über Takamitsu Azumas Haus in Tokyo – sondern aus meiner engsten Umgebung heraus ein Objekt zu wählen um einen Film damit zu machen. Weil mich Friedrich Kiesler schon sehr lange interessiert und beschäftigt, war das Thema für mich naheliegend. Es wird dabei um das Verhältnis von Virtualität und Realität gehen, zum Teil in Form eines Realfilms und zum Teil in Form eines Animationsfilms. Ich arbeite seit über einem Jahr an dem Film. Bis zum Herbst sollte er fertig gestellt sein.

Verein Mundwerk: Wir bedanken uns für dieses Gespräch.

Weitere Informationen zur Arbeit von Karl-Heinz Klopf: https://www.khklopf.at/

Empfohlene Zitierweise: Verein Mundwerk im Gespräch mit Karl-Hein Klopf. Anlässlich der ersten Putzaktion von Mondsee Land Art, in: mundwerk.at, 12.7.2020. <https://mundwerk.at/karl-heinz-klopf-im-gespraech/>